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Die Landbewirtschaftung, wie sie in

weiten Teilen desWesterwaldes betrie-

ben wird, ist nach Aussage von Markus

Kunz vom Büro für Regionalberatung,

Naturschutz und Landschaftspflege in

Hachenburg, von hohemWert für den

Naturschutz. Nur der Landwirtschaft

ist es zu verdanken, dass sich im Laufe

der Jahrhunderte eine vielfältige struk-

turreiche Kulturlandschaft entwickeln

konnte.

Im Naturraum HoherWesterwald und

weiten Teilen des Oberwesterwaldes ist

eine offene

Mosaik-

landschaft

mit hohem

Anteil von

Grünland-

nutzung

charakteris-

tisch. Auf-

grund der

Höhenlage,

verkürzter

Vegetations-

periode und

standörtli-

cher Voraus-

setzungen

sind große Teile der Grünlandflächen als

landwirtschaftliche Grenzertragsstand-

orte mit verminderter Ertragsfähigkeit

einzustufen. Gleichzeitig sind in diesen

Räumen, aber auch in den weiteren

Teilen desWesterwaldes, europäi-

sche Naturschutzgebiete des Natura

2000-Netzes (Flora-Fauna-Habitat-

sowieVogelschutzrichtlinie) verbreitet.

Die Ausweisung dieser Schutzgebiete

belegt, wie wichtig die landwirtschaft-

liche Nutzung für die Natur und ihre

Vielfalt ist. Diese Einzigartigkeit gilt es

zu erhalten.

Landwirte sind Dienstleister für den Naturschutz

Lebensraum aus Menschenhand

Westerwald ist Spitze beim Naturschutz

Wirtschafts

info

3

Sommerboten

liebenViehställe

Schwalben prägen seit Jahrhunderten

als Sommerboten das typische Erschei-

nungsbild landwirtschaftlich gepräg-

ter Dörfer. Leider haben sich in den

letzten Jahrzehnten die Bestände der

Schwalben stark verringert. So hat seit

dem Jahr 1990 der Brutbestand der

Rauchschwalben um bis zu 20 Prozent

abgenommen, das Vorkommen der

Mehlschwalbe ist sogar um 20 bis 50

Prozent rückläufig. Nist- und Nahrungs-

räume finden die hübschen Tiere vor al-

lem in, an und um dieWirtschaftsgebäu-

de landwirtschaftlicher Betriebe. Hier

finden sie Material für den Nestbau, das

anderenorts nicht mehr zu finden ist.

NotwendigeWasserpfützen werden zur

Mangelware. Mit einemAnteil von etwa

80 Prozent bilden Insekten die Nah-

rung von Rauch- und Mehlschwalbe.

Daher gibt es im UmfeldVieh haltender

Betriebe eine ergiebige Nahrungsquelle

für die Insektenjäger.

In ganz Rheinland-Pfalz beteiligen

sich rund 70 Betriebe am Programm

„Partnerbetrieb Naturschutz“. Allein

sieben dieser Betriebe wirtschaften im

Westerwaldkreis, zwei im Kreis Alten-

kirchen und zwei im Kreis Neuwied.

Dieses spezielle Programm bietet den

Landwirten, die sich im Naturschutz

engagieren möchten, fachliche Hilfestel-

lung. Dazu gehört beispielsweise eine

umfassende, einzelbetriebliche Bera-

tung, um die jeweiligen Naturschutz-

potentiale der Flächen zu erfassen. In

einem weiteren Schritt wird ein Natur-

schutzplan aufgestellt, den die Betriebe

umsetzen.

Eine besonders hohe Bedeutung haben

grünlandbezogeneVertragsnaturschutz-

programme. Aktuell werden ca. 3.000

Hektar Grünland imVertragsnatur-

schutz bewirtschaftet, davon allein ca.

2.500 Hektar imWesterwaldkreis.

Circa 300 landwirtschaftliche Betriebe

haben ihrWirtschaften in besonderem

Maße an den Anforderungen des Na-

turschutzes ausgerichtet und erhalten

dafür eine Ausgleichszahlung von der

öffentlichen Hand. „Die Landwirte

müssen auf diesen Flächen ertragsarm

wirtschaften“, erläutert Kunz, der auch

als Biotopbetreuer imWesterwaldkreis

tätig ist. „Sie produzieren dort weniger

Milch und Fleisch, erhalten dafür aber

seltene Pflanzenarten und gefährdete

Tiere. Dafür muss es einen finanziellen

Ausgleich geben. Preiswerter als die

Landwirte kann niemand diese Form

des Naturschutzes umsetzen.“

In Rheinland-Pfalz bildet derWester-

wald einen Schwerpunkt in der An-

wendung der Naturschutzprogramme.

„Unsere Region ist imVertragsnatur-

schutz spitze“, so Kunz.

Vertragsnaturschutz mit Heckrindern im Grenzbachtal, Kreis Altenkirchen