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HANDWERK

Sehr geehrter Herr Baden, sehr ge-

ehrter Herr Krautscheid, welche

Rolle spielt der Präsident im Unter-

schied zum Hauptgeschäftsführer in

der Kammer?

Baden:

Der Präsident übernimmt

vor allem repräsentative Aufgaben für

die Kammer, so insbesondere gegen­

über politischen Gremien und Ebenen

sowie gegenüber anderen externen

Akteuren. Das Präsidentenamt wird

ehrenamtlich ausgeübt und mit einer

Aufwandsentschädigung vergütet. Der

Hauptgeschäftsführer ist hingegen der

Dienstvorgesetzte der rund 350 Mitar­

beiter und hauptamtlich tätig.

Die Handwerkskammer erfüllt ho-

heitliche Aufgaben. Was versteht

man darunter und welche sind es?

Krautscheid:

Hoheitliche Aufgaben

werden kraft öffentlichen Rechts zum

Beispiel durch Kammern wahrgenom­

men. Im Falle der Handwerkskammer

bestehen die Aufgaben vor allem in der

Führung der Handwerksrolle und der

Gewährleistung der dualen Ausbildung.

Hierbei versteht sich unsere Kammer

als Dienstleister der Mitgliedsbetriebe

und erbringt mit der überbetrieblichen

Unterweisung, die stets die neuesten

technischen Anforderungen berück­

sichtigt, den entscheidenden Beitrag zu

einer produktuniversellen Ausbildung

der Lehrlinge. Hierbei sind unter ande­

rem ständig Lehrpläne zu aktualisieren

und anzupassen. Man kann auch von ei­

nem „Dreibeinigen-System“ sprechen:

Betrieb/Schule/HwK.

Welche Themen beschäftigen Ihre

Mitglieder am stärksten? Welchen

Stellenwert nimmt dabei die Digita-

lisierung ein?

Baden:

Zwei Themen beschäftigen un­

sere Mitglieder: Die Findung von Nach­

wuchskräften und zum anderen die

Digitalisierung der Arbeitstechnik und

die damit verbundenen Anpassungen an

technischer Ausrüstung etc. Der Stel­

lenwert des Themas „Handwerk 4.0“

ist sehr hoch und wird bei uns eben­

falls groß geschrieben. Wir sind sehr

stolz, eines von deutschlandweit fünf

neuen Kompetenzzentren zu sein. Das

Gesamtprojekt wird vom Bundeswirt­

schaftsministerium gefördert und un­

terstützt.

Wie groß ist derzeit der Fachkräf-

temangel und Ausbildungsplatzbe-

darf?

Krautscheid:

Der Fachkräftemangel

lässt sich nicht konkret beziffern, aber

im Bereich der Ausbildungsplätze sind

in diesem Jahr im Kammerbezirk 800

Ausbildungsplätze nicht besetzt wor­

den. Die derzeit sehr akute Flüchtlings­

situation verstehen wir als große Chan­

ce für das deutsche Handwerk.

Wie ist Ihre Unterstützung der Mit-

glieder bei der Betriebsnachfolge

und bei der Suche nach Auszubilden-

den?

Baden:

Bei der Betriebsnachfolge ist

unsere betriebswirtschaftliche Abtei­

lung mit rund 10 Mitarbeitern zustän­

dig, die im gesamten Kammerbezirk

Betriebe beraten und zum Beispiel

auch helfen Nachfolger zu finden. Wir

unterstützen mit unseren Ausbildungs­

beratern und Coaches, die auch im Be­

trieb vor Ort helfen, wenn es einmal

zwischen Meister und Lehrling kriselt.

Natürlich wird auch eine Ausbildungs­

beratung für Flüchtlinge im Hause an­

geboten.

Wie sehen die Prognosen zur wirt-

schaftlichen Lage im Handwerk

2016 aus?

Krautscheid:

2015 war für das Hand­

werk das beste Jahr seit sehr langer

Zeit. Wir verzeichnen eine sehr hohe

Zufriedenheit bei unseren Mitglieds­

betrieben und ein Rückgang der Be­

schäftigungslage ist nicht in Sicht. Die

Zukunftschancen waren nie besser.

Die „Nacht der Technik“ wirft ihre

Schatten voraus. Was erwartet die

Besucher 2016?

Baden:

Die Nacht der Technik fin­

det in diesem Jahr am 05. November

statt, und wir rechnen wieder mit rund

10.000 Besuchern. In diesem Jahr wid­

men wir uns schwerpunktmäßig den

Themen Robotik und Weltraumtechnik.

Vielen Dank für das Interview!

Zukunft des Handwerks

Zukunft des Handwerks

Interview mit der Handwerkskammer Koblenz

Hauptgeschäftsführer Alexander Baden und Präsident Kurt Krautscheid

Sehr geehrter Herr Runkel, sehr ge-

ehrter Herr Röser, das Handwerk

steht vor weitreichenden Verände-

rungen und wurzelt doch in der Tra-

dition. Wie gehen Sie mit diesem

Spannungsfeld um?

Runkel:

Das Handwerk hat starke

Wurzeln und Grundlagen wie beispiels­

weise den Meisterbrief, der für Qualität

und Nachhaltigkeit steht. Die fortlaufen­

de Anpassung der Ausbildungsinhalte an

neue technische Gegebenheiten hält das

Handwerk stets aktuell.

Röser:

Und nicht zu vergessen – die

Betriebe investieren kräftig in moderne

Ausstattung und Maschinen.

Spürt das Handwerk den Fachkräfte-

mangel und wenn ja, was wird getan?

Röser:

Ja, wir im Handwerk spüren den

Fachkräftemangel teilweise deutlich.

Handwerksberufe stehen im Wettbe­

werb zu einer akademischen Laufbahn

oder zum Beispiel zu einer kaufmän­

nischen Ausbildung. Die Vorteile des

Handwerks müssen heute präsentiert

und Jugendlichen nähergebracht wer­

den. Wir werden nicht müde, Aktions­

tage, wie z. B. ,,Hände hoch für‘s Hand­

werk“, oder die Handwerkskampagne

durchzuführen. So können Jugendliche

das Handwerk hautnah erleben.

Informationsveranstaltungen an Schulen

und Praktika in den Betrieben sind zu­

dem wertvolle Möglichkeiten das Hand­

werk positiv zu präsentieren (siehe auch

www.Handwerk.de

).

Runkel:

Der Facharbeitermangel kann

auch sein Gutes haben. Wenn es weiter­

hin weniger Handwerker gibt, werden

die Löhne steigen. Angebot und Nach­

frage regeln den Preis. Heute schon lie­

gen die Löhne z. B. eines Baufachhand­

werkers oder gehobenen Dachdeckers

zwischen 18,– und 22,– €. Davon kann

so manch ein Angestellter nur träumen.

Spüren Sie im Handwerk die Folgen

der Rente mit 63?

Röser:

Gerade in den Berufen der Bau­

branche ist die Rente mit 63 eine Option.

Obwohl Baumaschinen und technische

Hilfsmittel die Bauhandwerker schon

sehr entlasten, sind die Arbeitsbedingun­

gen anders, als bei einem Bürojob.

Welche Rolle spielt die Meisterprü-

fung für das Handwerk?

Runkel:

Die Meisterprüfung sichert

Qualität und Zukunft. Durch die Quali­

fikation in der Meisterprüfung hebt man

sich vom Markt ab. Das ist im Nahrungs­

mittelhandwerk genauso wie im Metall­

bereich und den technischen Berufen.

Hochwertige Maßarbeit wird immer ei­

nen Markt, sprich Kunden, haben.

Welche Maßnahmen können ergrif-

fen werden, um aus dem Fundus der

Einwanderer diejenigen zu qualifizie-

ren, die als mögliche Fachkräfte für

das Handwerk infrage kommen?

Runkel:

Ausbildungsfähige junge Flücht­

linge sollten in Berufsvorbereitungsklas­

sen innerhalb eines Jahres zunächst die

deutsche Sprache und Schrift erlernen.

Erst dann können die Weichen für eine

weitere Berufsausbildung gezielt gestellt

werden. Nach erfolgreichem Abschluss

sollte die Fachkraft noch mindestens

zwei Jahre dem Unternehmen zur Ver­

fügung stehen.

Wie kann man sich als attraktiver

Handwerksbetrieb positionieren?

Röser:

Moderne Betriebe, die über

eine ansprechende Betriebsausstattung

und Betriebsführung verfügen, sind in

Zukunft unerlässlich. Eine ansprechende

Außenwirkung ist ebenso wichtig wie

der Umgang mit Mitarbeiten und insbe­

sondere den Kunden. Höchste Qualität

der Produkte ist selbstverständlich.

Wie sieht der Ausblick auf die nahe

Zukunft im Handwerk 2016/2017 aus?

Röser:

Das Handwerk leistet mit sei­

ner Ausbildung und Qualifizierung einen

ganz bedeutenden Beitrag zur Stärkung

der Wirtschaft in Deutschland.

Es verkörpert die Kultur der Selbstän­

digkeit und übernimmt mit seiner Bereit­

schaft zur Verantwortung eine wichtige

gesellschaftliche Vorbildfunktion. Das

Handwerk ist innovativ, vielfältig und

steht für fachlich kompetente und kre­

ative Leistung, sowohl für den privaten

als auch für den gewerblichen Kunden.

Zum Abschluss in einem prägnan-

ten Satz: Warum sollte ein junger

Mensch zum Handwerk gehen?

Runkel:

Ohne Handwerk geht es nicht.

Röser:

Handwerk ist Zukunft.

Vielen Dank für die Einblicke!

Interview mit der Kreishandwerkerschaft

Geschäftsführer Udo Runkel und Vorsitzender Rudolf Röser

Udo Runkel und Rudolf Röser

Kurt Krautscheid

Alexander Baden

Innungen & Kreishandwerkerschaft

Rhein-Westerwald