Raiffeisen-Bewegung und Töpfertradition sind jetzt Kulturerbe

Große Freude im Westerwald. Die Raiffeisen Bewegung ist in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen worden.

Als erster Vorschlag aus Deutschland schaffte es die Idee aus dem Westerwald auf die UNESCO-Liste. Ein weiterer Grund zur Freude. So hat die deutsche UNESCO-Kommission die Töpfertradition im Westerwald zum nationalen Kulturerbe ernannt. 

Genossenschaftsidee aus der Not geboren

Der Westerwälder Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch aus Sachsen sind die beiden Väter der Genossenschaftsidee. Raiffeisen wurde 1818 in Hamm im Kreis Altenkirchen geboren. Bereits ab 1845 bekleidete Raiffeisen das Amt des Bürgermeisters in der Gemeinde Weyerbusch, wenig später in Flammersfeld und schließlich in Heddesdorf bei Neuwied. Mitte des 19. Jahrhunderts gründete er mehrere Hilfsvereine, um der verarmten Landbevölkerung das Überleben zu sichern. Ausgangspunkt für Raiffeisens Idee war die Hungersnot im Winter 1846/47. Als Bürgermeister von Weyerbusch schaffte er es, die wohlhabenden Bürger für sein Vorhaben zu gewinnen. Sie zahlten Geld in einen Fonds ein, um damit Getreide für die ärmeren Einwohner zu kaufen. Es wurde unter den an Hungersnot Leidenden auf Kredit ausgegeben. Der sogenannte „Brotverein“ wurde zur Keimzelle der Genossenschaftsidee, die sich in der ganzen Welt verbreitete. In den Raiffeisengenossenschaften, die entstanden sind, sind mittlerweile 380 Millionen Menschen in 100 Ländern der Erde organisiert. Friedrich Wilhelm Raiffeisen gilt noch heute als Vater eines sozialen Wirtschaftssystems.

Westerwälder Töpfertradition

Im Westerwald liegen die größten und hochwertigsten Tonvorkommen Europas. Im Umgang mit dem heimischen Ton hat sich eine hervorragende Handwerkskunst entwickelt. Dabei wird zum einen auf traditionelle Weise vorgegangen, indem der Ton an der Töpferscheibe gedreht und geformt, dann glasiert und schließlich gebrannt wird. Zum anderen werden neue kreative Techniken und Materialmischungen ausprobiert und neue Anwendungsbereiche für Keramik identifiziert. Das Töpferhandwerk wird so stets neu entdeckt und interpretiert. Die Aufnahme in die Liste des nationalen Kulturerbes wird damit begründet, dass die Töpfertradition im Westerwald in rund 40 Werkstätten weitergeführt werde. Damit gehöre die Region zu den wichtigsten Keramikzentren in Europa. Dazu trägt auch mit bei, dass die alte Töpfertradition inzwischen auch eine moderne Branche mit einem breit gefächerten Ausbildungssystem ist

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